Gated CommunitiesDas freiwillige Einzäunen boomt - vor allem in den USA
Das Bedürfnis nach Sicherheit und Gemeinschaft treibt immer mehr Menschen in geschlossene Wohnanlagen. Gated Communities - heile Welt oder Gefahr für die Gesellschaft?
Die Verbreitung von Gated Communities, also privaten, in sich geschlossenen, durch Zäune oder Mauern abgegrenzte Wohnsiedlungen oder -städten, nimmt weltweit immer stärker zu. Schätzungsweise jeder 8. US-Amerikaner lebt mittlerweile in einer der rund 30.000 Anlagen im ganzen Land. Je nach Standort und Zweck unterscheiden sie sich in Aufbau, Ausmaß und Bewohnergruppen. An sich kein neues Phänomen - schon im Mittelalter versuchten sich Menschen höheren Standes z.B. durch abgelegene Burgen und Klöster vom „gewöhnlichen“ Volk abzugrenzen, oder ganze Städte sich durch Mauern und Gräben vor unerwünschten Eindringlingen zu schützen - ist diese neue Art von „Wohnsegregation“ ausgehend von den USA, wo bereits über die Hälfte aller neugebauten Wohnhäuser innerhalb von Gated Communities entsteht, erst seit rund zwei Jahrzehnten ein bedeutendes Thema in der Stadtsoziologie. Vorher waren Gated Communities höchstens in den Megacities einiger Dritte-Welt-Länder oder in Südafrika als Auswirkung der Apartheid zu beobachten. Sicherheit, Gemeinschaft und Exklusivität locken hinter die MauernEdward J. Blakeley und Mary Gail Snyder haben in ihrem 1997 erschienenen Buch: "Fortress America: Gated Communities in the United States" erstmals eine Typisierung der Gated Communities vorgenommen. Sie unterscheiden drei Haupttypen, zum einen die Lifestyle-Communities, wo Bewohner mit dem gleichen Lebensstil zusammenfinden, z.B. Senioren, Kinderlose oder Anhänger bestimmter Freizeitaktivitäten wie Golf- oder Tennisspielen. Zum Zweiten nennen sie die Prestige Communities, in denen es vor allem um Exklusivität geht, die Bewohner müssen einen gewissen finanziellen und/oder sozialen Status aufweisen. Diese beiden Formen findet man vor allem im amerikanischen Sunbelt, also im Süden und Westen der USA. Die dritte Form sind die Security Zone Communities, also Siedlungen, die aus Sicherheitsgründen von der Umgebung abgegrenzt werden. Während dieser Aspekt bei allen Formen der Gated Communities eine wichtige Rolle spielt, sind die Security Zones Siedlungen oder Viertel, die einzig und allein aus diesem Grund, oftmals auch erst nachträglich, eingezäunt werden. Sie beschränken sich mittlerweile auch nicht mehr nur auf wohlhabende Nobelviertel oder suburbane Mittelschicht-Siedlungen, sondern zunehmend gehören auch innerstädtische, vorwiegend von Mittel- und Unterschicht bewohnte Apartment-Anlagen dazu. Organisiert und geleitet werden Gated Communities in den USA von den Vereinigungen der Hauseigentümer, den sogenannten Homeowner Associations (HOA), von denen es insgesamt mittlerweile über 250.000 gibt. Das Leben innerhalb der Gated Communities wird durch covenants, conditions & rules (CC&R), also Vereinbarungen, Bedingungen und Regeln bestimmt, welche meist durch die Planer und Erbauer der Anlagen festgelegt werden, und die je nach Anlage sehr umfassend und restriktiv sein können. Unter anderem werden darin das äußere Erscheinungsbild der Häuser und Gärten, die Größe und Anzahl von Haustieren oder die erlaubte Häufigkeit von Besuchern geregelt. Sicherheit und Kontrolle über die eigene Nachbarschaft sowie ein spezielles (organisiertes) Gemeinschaftsgefühl sind laut Studien die häufigsten Gründe, sich für das Leben in einer Gated Community zu entscheiden. Oftmals ist es auch Ausdruck eines gewissen Status’, den man erreichen oder erhalten will. Die heile Welt birgt auch GefahrenDiese bewusste Abgrenzung verursacht natürlich auch Probleme, vor allem für die umliegenden Städte und Gemeinden. Während rasse-, ethnisch und ökonomisch bedingte Segregation innerhalb von Städten kein neues Phänomen ist, so stellen die Gated Communities doch eine ganz neue Dimension dar, komplett abgeriegelt sind sie für Nicht-Bewohner nicht einmal mehr begeh- oder befahrbar, sie schränken die Bewegungsfreiheit der Anwohner sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gated Communities stark ein und bilden eine Art Festung inmitten der ursprünglichen Stadt oder Siedlung. Auch steuerrechtliche Probleme ergeben sich aus der Existenz der „Stadt in der Stadt“, da kommunale Aufgaben und Dienste zum Teil von den Gated Communities selbst übernommen werden, was häufig zu Konflikten mit den Gastgemeinden führt. Neueste Untersuchungen zeigen außerdem, dass die erhöhte Sicherheit und der Schutz vor Kriminalität innerhalb der Gated Communities zum großen Teil den Erwartungen gar nicht gerecht werden, und dass in einigen Gegenden Gated Communities regelrecht verfallen und verwahrlosen, da viele der Bewohner die hohen Kreditraten und Hypotheken nicht mehr zahlen können und ihre Häuser der Zwangsversteigerung zum Opfer fallen. Der regelrechte Ansturm auf die Gated Communities ist in den USA aber nach wie vor ungebrochen, und auch in Europa entstehen immer mehr solcher Wohnanlagen nach amerikanischem Vorbild. Bleibt abzuwarten, ob und inwieweit diese sich in ähnlichem Ausmaß verbreiten, und ob sich Gated Communities zumindest in einigen Teilen der Welt tatsächlich zur dominanten Wohnform des 21. Jahrhunderts entwickeln.
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